Einblick in die Welt der validierten zahnmedizinischen 3D-Druck-Workflows

6 Minuten Lesezeit

Was sind validierte Arbeitsabläufe für den 3D-Druck in der Zahnmedizin?

Wie ein Dentaltechniker durch 3D-Druck zum Experten wurde – Ein Gespräch mit Stefan Schüller

Als Senior Application Expert bei der DETAX GmbH nutzt Stefan Schüller seinen einzigartigen Hintergrund, um die Lücke zwischen Materialwissenschaft und praktischer Anwendung zu schließen und Zahnarztpraxen und Labore bei der Bewältigung der Komplexität validierter Arbeitsabläufe und biokompatibler Materialien zu unterstützen.


Schüllers besonderer Vorteil liegt in seiner einzigartigen Expertise: Als zertifizierter Zahntechniker mit fundierter Erfahrung im 3D-Druck seit 2014 vereint er zwei seltene Kompetenzen. Diese Kombination ermöglicht ihm ein tiefgreifendes Verständnis – sowohl für die technischen Herausforderungen als auch für die praktischen Anforderungen des zahnmedizinischen 3D-Drucks.

Stefan Schüller von Detax über validierte Arbeitsabläufe im zahnmedizinischen 3D-Druck – Einblicke in biokompatible Harze und die Nachbearbeitung

Wie sind Sie auf den Dental-3D-Druck gekommen?

Stefans Weg zum dentalen 3D-Druck war eine spannende Entwicklung. Als zertifizierter Zahntechniker entdeckte er die additive Fertigung eher zufällig – über die Herstellung von Ohrpassstücken. Dieser unerwartete Einstieg führte ihn schließlich in die Welt des dentalen 3D-Drucks.

Nach meiner Ausbildung arbeitete ich in einem Otoplastiklabor, wo ich bereits 2014 intensiv mit der additiven Fertigung in Kontakt kam. Diese Erfahrung ermöglichte es mir, früh ein solides Fundament im 3D-Druck aufzubauen. Durch meine praktische Expertise in beiden Bereichen – Zahntechnik und 3D-Druck – habe ich ein tiefgreifendes Verständnis für die Prozesse, Herausforderungen und Bedürfnisse unserer Kunden entwickelt. Genau diese einzigartige Kombination befähigt mich, Detax als Anwendungsexperte optimal zu vertreten und unsere Kunden sowie Technologiepartner wie Rapid Shape praxisorientiert und kompetent zu unterstützen.

Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Material- und Druckerherstellern so wichtig?

Stefan hat die Entwicklung der Beziehung zwischen Materialherstellern und Druckdienstleistern hautnah miterlebt. Seine Verbindung zu Rapid Shape reicht bis in jene frühen Tage im Ohrpassstück-Labor zurück.

EvDamals war bereits klar, wie wichtig eine enge Abstimmung zwischen dem Material und dem Drucksystem für stabile Prozesse ist. Heute profitieren wir von leistungsstarken, äußerst reproduzierbaren Drucksystemen und einem engen technischen Austausch. Mit dem technischen Know-how von Rapid Shape und unserer Materialkompetenz bei Detax können wir gemeinsam viel erreichen und praktische Lösungen für unsere Kunden entwickeln.

Was ist der größte Irrtum, den Menschen in Bezug auf Biokompatibilität begehen?

Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Zahnarztpraxen und Dentallaboren hat Schüller eine gefährliche Annahme erkannt, der viele Neueinsteiger erliegen.

Häufig wird davon ausgegangen, dass biokompatible Harze mit nachgewiesener Biokompatibilität und einer Einstufung als Medizinprodukt ohne weitere Überlegungen auch außerhalb ihres festgelegten medizinischen Verwendungszwecks eingesetzt werden können. Doch denken Sie daran: Ein Material gilt nur dann als Medizinprodukt und ist nur dann sicher in der Anwendung, wenn es gemäß den Anweisungen des Herstellers verarbeitet und im Rahmen seines zugelassenen medizinischen Verwendungszwecks eingesetzt wird.

Wo können Dinge im Workflow typischerweise schiefgehen?

Nachbearbeitung ist, wo viele Praxen unwissentlich die Sicherheit und Qualität ihrer 3D-gedruckten Geräte beeinträchtigen.

Nachbearbeitung – einschließlich validierter Waschen und Aushärten — ist ein zentraler Bestandteil des validierten Arbeitsablaufs, da er unmittelbar die Sicherheit und Funktionalität des Endprodukts bestimmt. Als Hersteller liefern wir bei Detax nicht nur das Medizinprodukt, sondern auch einen vollständig validierten Arbeitsablauf. Werden Reinigung und Nachhärtung nicht gemäß diesem Arbeitsablauf durchgeführt, kann dies zu einer unvollständigen Polymerisation, unzureichenden mechanischen Eigenschaften oder chemischen Rückständen führen. Daher ist es unerlässlich, dass Anwender sich konsequent an den von Detax festgelegten validierten Arbeitsablauf halten.

Wie entwickeln sich Zahnarztpraxen und Labore in ihrem Ansatz zur Workflow-Validierung?

Die regulatorische Landschaft verändert sich, und Schüller sieht dies als eine positive Entwicklung für die Branche.

Unter der MDR müssen Zahnarztpraxen und Labore ihre Prozesse transparenter gestalten und klar validierte Arbeitsabläufe nutzen. Das bedeutet, dass Validierung weniger eine Option als vielmehr eine Notwendigkeit für das Qualitätsmanagement ist. Dies bedeutet, dass standardisierte, herstellerdefinierte End-to-End-Arbeitsabläufe immer wichtiger werden, um sicherzustellen, dass alles sicher, effizient und konform ist.

Welchen Rat würden Sie Zahnarztpraxen oder Laboren geben, die gerade erst mit validierten 3D-Druck-Workflows beginnen?

Für Zahnarztpraxen und Labore ist es wichtig, sich vor der Investition in den 3D-Druck umfassend beraten zu lassen und sich nicht vorschnell für den Drucker zu entscheiden, der am schnellsten oder am billigsten erscheint.


Frühzeitig sollten wichtige Fragen geklärt werden, etwa ob ein offenes oder geschlossenes System besser zu Ihren Anforderungen passt. Zudem empfiehlt es sich, auf Hobby-3D-Drucker zu verzichten, da diese oft weder technisch noch regulatorisch den Anforderungen für die Herstellung von Medizinprodukten entsprechen.


Erst wenn die Anwendungen und Ziele klar definiert sind, sollte das geeignete Drucksystem ausgewählt werden. Darüber hinaus ist es unerlässlich, von Beginn an die vom Hersteller vorgegebenen und validierten Prozesse konsequent einzuhalten.


Ich empfehle, das Team frühzeitig zu schulen, um ein gemeinsames Verständnis für 3D-Druck, den Drucker, die Materialien und die relevanten Arbeitsabläufe zu entwickeln.

Was ist das größte Hindernis für Zahnärzte beim Übergang zu validierten Arbeitsabläufen?

Ich denke, eine große Hürde ist der Mangel an Erfahrung im Umgang mit validierten 3D-Druck-Workflows. Viele Zahnärzte fühlen sich bei der technischen Umsetzung schnell unsicher, insbesondere bei der Auswahl geeigneter (3D-Druck-)Systeme, Materialien und der richtigen Nachbearbeitung, und zögern deshalb, damit zu beginnen.

Die Lösung liegt in der Zusammenarbeit mit 3D-Druckerherstellern, die eine umfassende Validierung von Dokumentation, Schulung und fortlaufendem technischem Support anbieten.

Wohin sehen Sie die Zukunft des dentalen 3D-Drucks?

Ich glaube, dass die größten Chancen für den 3D-Druck in der Zahnmedizin in der Fähigkeit liegen, kostengünstige Dentalprothesen in sehr kurzer Zeit mit relativ weniger Ausrüstung und Personal herzustellen.


Dies kann sozial benachteiligten Menschen in Deutschland, aber auch in ärmeren Regionen der Welt, den Zugang zu hochwertiger zahnärztlicher Versorgung erleichtern und ihnen ihre Lebensqualität zurückgeben.


Die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Geräteherstellern wie Rapid Shape und Materialherstellern wie Detax wird zukünftig erhebliche Zeit und Aufwand einsparen und die Effizienz in Zahnarztpraxen und Laboren weiter steigern.

Die Kombination aus validierten Arbeitsabläufen, zuverlässiger Ausrüstung und leicht verfügbaren Materialien macht den 3D-Druck in der Zahnmedizin zugänglicher denn je.

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